Steuerrecht — Rechtsberatung in Österreich

In welchen Situationen eine Kanzlei sinnvoll ist, was Beratung kostet und wie Sie die richtige Kanzlei finden.

Steuerrecht in Österreich

Steuerrecht behandelt Steuererklärungen, Finanzamt-Angelegenheiten und Buchhaltung. Im Folgenden erfahren Sie, in welchen Situationen eine anwaltliche Beratung sinnvoll ist, welche Kosten nach dem Autonomen Honorarleitfaden (AHL 2015) bzw. Rechtsanwaltstarif anfallen und wie eine Rechtschutzversicherung die Kosten übernehmen kann.

In welchen Situationen ist eine anwaltliche Beratung sinnvoll?

  • Sie einen Einkommensteuer- oder Umsatzsteuerbescheid erhalten haben, der sachlich unrichtig erscheint, denn Beschwerden sind nur binnen kurzer Frist möglich.
  • Eine Betriebsprüfung (BP) angekündigt oder abgeschlossen wurde und Sie die Prüfungsergebnisse bewerten oder anfechten lassen wollen.
  • Gegen Sie ein Finanzstrafverfahren wegen verspäteter oder unrichtiger Abgaben eingeleitet wurde.
  • Als Geschäftsführer oder Organ ein Haftungsbescheid des Finanzamts zugestellt wurde.
  • Es um komplexe Fragestellungen wie Doppelbesteuerung, ausländische Einkünfte oder Absetzbarkeit bei Vermietung und Gewerbe geht.
  • Das Finanzamt Säumniszuschläge, Zwangsstrafen oder Säumnisvorschreibungen verhängt hat und Sie Abhilfe suchen.

Typische Tätigkeiten im Steuerrecht

Einspruchsverfahren und Finanzgericht
Gegen Bescheide des Finanzamts ist in der Regel binnen einem Monat Einspruch zu erheben (§ 245 BAO); darüber hinaus ist das Bundesfinanzgericht (BFG) zuständig. Die Kosten für eine Vertretung hängen vom Streitfall ab; eine Erstberatung liegt je nach Kanzlei meist zwischen 100 und 250 Euro.
Finanzstrafverfahren (FinStrG)
Abgabenvergehen werden nach dem Finanzstrafgesetz (FinStrG) von den Finanzstrafbehörden verfolgt und können empfindliche Geldstrafen nach sich ziehen. Eine frühzeitige Verteidigung, etwa im Rahmen einer Selbstanzeige, kann Strafmaße in der Regel deutlich reduzieren.
Betriebsprüfung und Abgabenverjährung
Betriebsprüfungen des Finanzamts können mehrere Jahre rückwirkend umfassen; die Verjährung von Abgaben richtet sich nach den §§ 212 ff BAO. Eine anwaltliche Begleitung sichert Verfahrensrechte wie Parteistellung und Akteneinsicht.
Umsatzsteuer und Kleinunternehmer
Der Regelsteuersatz der Umsatzsteuer beträgt 20 Prozent; Kleinunternehmer mit in der Regel bis zu 35.000 Euro Jahresumsatz können die Steuerbefreiung nach § 6 UStG 1994 in Anspruch nehmen. Bei grenzüberschreitenden Sachverhalten sind zusätzliche Registrierungspflichten zu beachten.
Grunderwerbsteuer und Immobilienabgaben
Beim entgeltlichen Erwerb von Liegenschaften fallen 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer an, bei unentgeltlichem Erwerb durch nahe Angehörige in der Regel 0,5 Prozent (GrEStG 1987). Zusätzlich können Stempelgebühr und Gebühren für die Grundbuchseinverleibung anfallen.
Doppelbesteuerung und internationale Fälle
Bei grenzüberschreitenden Einkünften entscheiden Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), welches Land Besteuerungsrechte erhält; in Österreich gilt die Unterscheidung zwischen beschränkter und unbeschränkter Steuerpflicht nach der BAO. Bei Wegzügen lohnt sich eine Planung im Vorfeld, da etwa eine Wegzugsbesteuerung drohen kann.

Alle genannten Beträge sind unverbindliche Richtwerte nach dem Autonomen Honorarleitfaden (AHL 2015) bzw. Rechtsanwaltstarif und können je nach Kanzlei, Streitwert und Aufwand abweichen.

Kosten und Rechtschutz

Steuerrechtliche Beratung durch Rechtsanwälte wird meist auf Stundenbasis verrechnet, in der Regel zwischen 200 und 400 Euro je nach Kanzlei und Komplexität; eine Erstberatung kostet durchschnittlich 150 bis 300 Euro. Für die Vertretung bei einer Betriebsprüfung oder einer Beschwerde werden häufig Pauschalhonorare vereinbart. Bei reinen Buchhaltungs- oder Erklärungsfragen ist zunächst ein Steuerberater die richtige Anlaufstelle; Anwälte sind vor allem bei Verfahren vor Finanz- und Verwaltungsgerichten sowie in Finanzstrafsachen gefragt.

Gegen Bescheide ist zunächst beim Finanzamt Beschwerde zu erheben; im Vorverfahren hat die Behörde eine Vorhaltefrist von sechs Monaten, um selbst zu korrigieren. Danach entscheidet das Bundesfinanzgericht (BFG), gegebenenfalls nach mündlicher Verhandlung, und dagegen ist die Revision an den Verwaltungsgerichtshof möglich. Verfahren vor dem BFG sind gebührenfrei, die Anwaltskosten tragen die Parteien jedoch selbst; Steuerrechtsschutz ist nur in speziellen Rechtsschutztarifen enthalten. In Finanzstrafverfahren sollte ein Verteidiger früh beigezogen werden.

Beschwerde an das Finanzamt oder Entscheidung des Bundesfinanzgerichts — wie läuft das Verfahren?

Die Beschwerde beginnt als Vorverfahren beim Finanzamt: Die Behörde prüft den Fall erneut und kann dem Begehren stattgeben oder den Bescheid ändern. Gibt sie dem Beschwerdeführer nicht statt, geht die Sache ohne weiteren Akt an das Bundesfinanzgericht über, das als unabhängiges Gericht entscheidet; die frühere Berufung mit dem UFS-Verfahren ist mit der Strukturreform 2014 entfallen. Diese zweistufige Struktur bietet zwei Chancen auf Erfolg — Fristen, Form und Argumentation entscheiden jedoch über den Ausgang, weshalb eine anwaltliche Begleitung sinnvoll ist.

Letzte Aktualisierung: September 2026. Alle Angaben dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Rechtsberatung.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange habe ich Zeit für einen Einspruch?

Gegen Bescheide des Finanzamts ist in der Regel binnen einem Monat Einspruch zu erheben (§ 245 BAO); versäumte Fristen können nur ausnahmsweise über die Wiedereinsetzung gerettet werden. Danach ist das Bundesfinanzgericht (BFG) zuständig.

Gibt es in Österreich eine Erbschaftssteuer?

Nein, die Erbschafts- und Schenkungsteuer wurde 2008 abgeschafft. Beim unentgeltlichen Erwerb von Liegenschaften fällt jedoch Grunderwerbsteuer an, bei nahen Angehörigen in der Regel 0,5 Prozent, sonst 3,5 Prozent.

Innerhalb welcher Frist kann ich gegen einen Steuerbescheid Beschwerde erheben?

Grundsätzlich binnen eines Monats ab Zustellung; bei der Einkommensteuer von Arbeitnehmern gilt eine Frist von drei Monaten. Nach Fristablauf tritt Rechtskraft ein, eine Beschwerde ist dann in der Regel nicht mehr möglich. Zustellungen sollten daher sofort geöffnet und geprüft werden.

Was kostet ein Finanzstrafverfahren mit Verteidiger?

Je nach Umfang sind Pauschalhonorare zwischen einigen hundert und mehreren tausend Euro üblich; Stundensätze liegen durchschnittlich bei 200 bis 400 Euro, je nach Kanzlei und Region. Angesichts möglicher Finanzstrafen und Wiederholungseffekten ist die frühzeitige Verteidigung in der Regel gut angelegtes Geld.

Wann wird Steuerhinterziehung strafrechtlich verfolgt?

Liegt das entgangene Abgabenausmass unter bestimmten Grenzen, behandeln es die Finanzbehörden als Finanzvergehen mit Finanzstrafen. Erhebliche Fälle — derzeit ab rund 100.000 Euro — gelten als Steuerhinterziehung nach dem Strafgesetzbuch und werden von den Strafverfolgungsbehörden übernommen. Die Abgrenzung ist komplex und sollte anwaltlich geprüft werden.

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